
Die meisten Menschen stellen sich unter Hypnose einen manipulativen Prozess vor: Ein*e Hypnotiseur*in schnippst mit dem Finger, spricht einen Befehl wie „Schlaf!“ – und hilflose Klient*innen verlieren die Kontrolle über ihr Bewusstsein.
Eventuell erzählen sie noch entblößende oder beschämende Dinge, krähen vor einem Showpublikum wie Hähne oder watscheln wie Pinguine. Diese Assoziationen dazu haben die Meisten aus Hypnoseshows, aus Romanen oder Film(seri)en.
Diese Vorstellungen sind so nicht richtig. Showhypnose bedient sich verschiedener Tricks. Und Geschichten, Filme und Serien dramatisieren.
Sie behalten als Klient*in im Prozess soviel Kontrolle, wie Sie mögen. Und Sie „verlieren“ nicht Ihr Bewusstsein, sondern wir holen gemeinsam, wenn Sie so wollen, unbewusste Anteile mit hinzu ins Erleben – und das ist etwas ungeheuer Wertvolles. Gunter Schmidt spricht hier gerne von unserem „unwillkürlich Allwissenden“, um eine gewisse Abgrenzung zu Freuds „Unbewusstem“ zu ziehen. Das Verständnis ist ganzheitlicher und humanistisch.
Das meiste „Wissen“ liegt im Unbewussten
Wir ahnen heute, wieviel unser Unbewusstes steuert – spontan, vorübergehend oder auch dauerhaft. Es ist aktiv – etwa bei bestimmten Symptomen, häufig bei Fehleistungen, oder in Träumen – aber auch in mentalen oder körperlichen Flow-Momenten, bei Assozionen oder unseren spontanen „Einfällen“, etc. Es gibt spannende Fachbücher darüber, wieviel wir bei unseren alltäglichen Entscheidungen eigentlich unserem Bewusstsein verdanken (überraschend wenig).
Es ist ja klar: Wir haben nicht all unser Wissen und all unsere Erfahrungen im aktuellen Bewusstsein (bzw. „im Arbeitsspeicher“) parat. Ebensowenig wie (all) unsere Gefühle, Erinnerungen usw.
Hypnose und Trance
Eine sinnvolle Definition von Hypnose können wir vornehmen, wenn wir die messbare Gehirnaktivität miteinbeziehen.
Wenn wir in einer hypnotischen Trance sind, fahren bestimmte Gehirnnetzwerke (spezifische, miteinander agierende Areale) in der Aktivität runter, und andere hoch.
Es gibt verschiedene Trancen, mit verschiedenen, aktivierten Netzwerken. Das Netzwerk, das bei einem „entspannten Nichtstun“ in einer hypnotischen Trance hochfährt, nennt sich Default Mode Network (DMN).
Wenn man zum Beispiel im Leistungssport in einen erstrebenswerten, körperlichen Flowzustand gerät, ist ein anderes Netzwerk aktiv, als wenn man bei einem Arbeitsprozess „den Tunnelblick bekommt“ und Essen, Trinken oder mal eine Pause zu machen vergisst.
Über die verschiedenen Trancezustände lässt sich Hypnose also gut begreifen, da sie mit Trancen arbeitet.
Unser Gehirn hat die Fähigkeit, sich in Trancezuständen neu auszurichten – deutlich mehr, als durch rationales Verstehen oder inhaltliches „Einsehen“.
Inwieweit Sie sich auf die Trancen einlassen, ist immer Ihre Entscheidung. Ich kann Ihnen gern zeigen, wie das geht und was Sie damit für sich tun können.